Imkerei Jan-Dirk Bunsen im September 2009

Liebe Honigfreunde und -freundinnen,

das Jahr 15 nach Gründung der Bioland-Imkerei Bunsen geht dem Ende entgegen. Die anstrengenden Aufbaujahre liegen schon lange hinter uns, die Imkerei wächst nur noch in kleinen Schritten. Viel wichtiger ist nun, dass die Arbeit für uns Imker durch technische Hilfsmittel immer leichter wird. Auch in der Organisation der jährlichen Abläufe und dem „Drehen an den kleinen Schrauben“ liegen manchmal große Potentiale, die uns manche Arbeitsstunden ersparen.

Ich sehe Jahre, in denen die Witterung oder der Gesundheitszustand der Bienenvölker eine gute Ernte nicht zulassen, mit immer mehr Gelassenheit und Zuversicht.
So hatte der lange Winter den Bienenvölkern zwar sehr zugesetzt, doch kam am Ende zumindest eine fast durchschnittliche Honigernte zustande. Leider gab es in den vergangenen zwei Jahren keinen Wald- und keinen Tannenhonig in den Vogesen oder im Schwarzwald zu ernten. Da auch die Lagerbestände aus guten Jahren aufgegessen sind, können wir mindestens in den nächsten 12 Monaten keinen Wald- und keinen Tannenhonig mehr liefern!

Wald- und Tannenhonig stammt nicht aus den Blüten von Eichen, Fichten oder Tannen, sondern von Rindenläusen, die aus den Zweigen und Stämmen Baumsäfte saugen. Die Läuse sind vor allem an den Eiweißverbindungen der Pflanzen interessiert und sondern die überschüssigen süßen Kohlenhydrate vor der Passage durch den Verdauungstrakt aus. Man nennt diese Absonderungen Honigtau. Dieser wird von den Bienen entweder direkt von der Laus oder auf Nadeln und Blättern abgesammelt.

Nur wenn sich die verschiedenen Honigtauerzeuger in Massen vermehren und gutes Flugwetter herrscht, kommt es zu einer Ernte dieses Honigs für die Bienen und die Imker.

Noch haben wir an den Außenständen mit den Bienenvölkern zu tun. Derzeit werden junge Königinnen eingesetzt, die ein sicheres Überwintern ermöglichen und im Frühjahr stärkere und fleißigere Kolonien aufbauen. Danach folgt eine weitere Behandlung mit Ameisensäure gegen die so gefährliche Varroamilbe. Ameisensäure ist bei warmer Witterung gut wirksam. Sie kommt als Stoff in der Natur vor und hinterläßt bei richtiger Anwendung keine Rückstände in den Bienenprodukten. Nach einer Ergänzung der Wintervorräte dürfen die Völker dann in die wohlverdiente Winterruhe gehen.

Ab Ende September werden wir dann die neue Ernte in Gläser füllen. Erst dann ist die Temperatur in den Verarbeitungsräumen niedrig genug, um den Honig in der so geschätzten cremigen Konsistenz abzufüllen. Niedrige Temperaturen unter 16° C bis 18° C lassen den Honig schnell und damit sehr fein kristallisieren. Die feinen Kristalle werden vom Verbraucher nicht gespürt und als Creme wahrgenommen. Zu Herbstbeginn steigt auch der Appetit auf Honig und wir haben mit dem Etikettieren und dem Versenden der Honiggläser gut zu tun.

Unser Auszubildener Jonas Grün - seinen Mut im Umgang mit den Stech-Immen beweist das Foto - hat im August mit Bestnote für ganz Deutschland die Prüfung zum Imker bestanden. Das motiviert auch mich als Ausbilder weiterhin mein Wissen und meine Erfahrungen an junge Menschen weiterzugeben. Wenn meine ehemaligen Auszubildenen in anderen Imkereibetrieben in Deutschland, Europa oder in Übersee arbeiten, wirken sie dort auch als „Botschafter“ für die vielfältigen Arbeitsmethoden und Ansichten der internationalen Imkerschaft.

Ihr Jan-Dirk Bunsen

Imkerei und Klimaschutz

Als ökologisch wirtschaftender Imker stehe ich hinsichtlich Klimaschutz in besonderer Veranwortung. In meiner Imkerei wird für die Erzeugung eines Glas Honigs etwa die Menge an elektrischer Energie benötigt, die eine 100 Watt-Birne in einer Stunde verbraucht. Die Bewirtschaftung und das Wandern mit den Bienen erfordert darüberhinaus eine Menge von 0,07 l Diesel für ein Glas Honig. Dazu kommt noch der Energieaufwand, den die Hersteller von Geräten und Betriebsmitteln für die Imkerei benötigen.

Ich bin bemüht, den Energieeinsatz möglichst gering zu halten und die benötigte Energie möglichst aus regenerativen Quellen zu beziehen.

In dem 2002 bezogenen Imkereigebäude wird die Heizung ausschließlich mit Holz aus den umliegenden Wäldern betrieben. Das Warmwasser wird ebenfalls mit der Holzfeuerung oder mit Hilfe der Solaranlage auf dem Dach erzeugt.

Das Einschmelzen alter Waben hat bisher auch immer viel elektrische Energie verbraucht. Seit dem Herbst besitze ich einen alten Dampferzeuger aus Militärbeständen, der mit altem Palettenholz befeuert wird. Jetzt macht das Wabenschmelzen wieder Spaß.
 

Seit Januar 2009 beziehe ich ausschließlich elektrische Energie aus regenerativen Quellen über die Firma Naturstrom.

Professionelles Arbeiten ermöglicht hohe Honigerträge, so dass sich die eingesetzte Energie auf eine große Menge Honigs verteilt. Kartonagen unserer Lieferanten nutzen wir für den Honigversand ein weiteres Mal.

 Das Winterfutter für die Bienenvölker stammt ausschließlich aus europäischer ökologischer Landwirtschaft. Ökologische Landwirtschaft dient auf vielfältige Weise dem Klimaschutz. Durch Ökologische Landwirtschaft gelangen keine Spritzmittel in die Feldflur, was der Gesundheit meiner Bienen und anderer Insekten wiederum dient.

 Die Bestäubungsleistung der Honigbiene hat eine Schlüsselfunktion für den gesamten Naturhaushalt und das Wachstum von Pflanzen und Tieren. Auch das dient dem Klimaschutz.

In der kalten Jahreszeit sehe ich fast täglich Stieglitze, die Sonnenblumensamen picken oder Amseln und Meisen die Früchte des Weißdorns oder der Heckenrosen fressen. Diese Beobachtungen sind immer wieder eine Bestätigung, wie wichtig die Honigbienen und ihre Bestäubung sind und geben meiner Arbeit als Imker Sinn.

Jan-Dirk Bunsen

Winterruhe der Bienen hat begonnen

Es ist Anfang November. Die ersten Frostnächte liegen hinter uns. Wir Imker haben die letzten Arbeiten an den Bienenvölkern abgeschlossen und die Bienen habe sich zu dichten, wohlig warmen Bienen-Kugeln zusammengezogen. Lediglich an sonnigen und milden Tagen sieht man noch die eine oder andere vorwitzige Bienen mit gelben Pollenhöschen von einem letzten Ausflug heimkehren.

Die Fluglöcher sind bereits mit Mäusegittern verrammelt. So wird vermieden, dass sich ungebetene Gäste, Mäuse in der Behausung der Bienevölker einnisten, und eine für den Immenstaat tötliche Unruhe verbreiten.

Die zurückliegende Honigsaison war alles andere als befriedigend. Die Folgen eines hohen Varroabefalls und der ungünstige Witterungsverlauf im Frühjahr 2008 ließ nur eine kleine Honigernte zu.

Es gab aber auch viele schöne Momente in der Bienensaison 2008. So entdeckten wir erstmals in unserer Imkerlaufbahn einen Totenkopfschwärmer. Dieser 8 cm lange Wanderfalter kommt über eine lange Flugdistanz über die Alpen von Südosteuropa bis zu uns geflogen. Duftstoffe erlauben es ihm, im Bienenstock geduldet zu werden und dort Honig zu naschen. Die Zeichnung auf dem Rücken des Riesen-Schmetterlings gibt ihm seinen Namen.

Als wir ihn auf auf die Finger nahmen, stieß er ein pfeifendes Geräusch von sich, machte aber keine Anstalten davonzufliegen. 

 

Ein Höhepunkt war auch der Besuch einer Gruppe von Elsässischen Berufsimkern. Die Kollegen waren extra angereist, um sich über die Ökologische Imkerei und ihrer Methoden bei der Varroa-Bekämpfung zu informieren.

 

 

Sicherlich waren Sie auch durch Pressemeldungen im Mai über das Bienensterben am Oberrhein beunruhigt.

Die Vergiftungen der Bienen durch das Beizmittel der Firma Bayer am Oberrhein während der Maisaussaat haben uns zwar nicht direkt betroffen. Jedoch blicken wir Imker mit Sorge in die Zukunft und sind ensetzt über das, was unsere Kollegen in Baden und deren 11500 Bienenvölker durchmachen mußten. Eine Verwendung des Beizwirkstoffs Chlothianidin auch in unserer Region und in weiteren landwirtschaftlichen Kulturen könnte auch hier zu akuten Vergiftungen führen oder zumindest die Wiederstandskraft der Bienen gegenüber weiteren Streßfaktoren mindern.

Auch sie können helfen, indem Sie als Verbraucher den ökologischen Landbau stärken und eine umwelt- und insektenfreundliche Landwirtschaft unterstützen.

Die Einführung der Grünen Gentechnik in Deutschland ist eine weitere Bedrohung der Imkerei durch unvernünftige Auswüchse der konventionellen Landwirtschaft. Die Politik hat zwar eine Koexistens der Gentechnik-freien Landwirtschaft neben der Gentechnik-Landwirtschaft zugesagt. Jedoch wurde „vergessen“, dass die Bienenvölker eine Fläche von 30 Quadratkilometern beweiden. Das Vorhandensein eines Feldes mit dem transgenen Mais MON 810 von Monsanto im Flugradius führt dazu, dass gentechnisch veränderte Pollen im Honig zu finden sind. Dies kann nicht im Interesse von Imkeren und Verbrauchern sein.

Der Maispollen enthält zudem ein Insektengift, dessen Langzeitwirkung auf Bienen und andere Nutzinsekten unzureichend erforscht ist.

Jan-Dirk Bunsen